Alte Geschichten und Erinnerungen
Die Comics meines Vaters
Mein Vater erzählte mir einmal, dass er als Jugendlicher in der Berufsschule in Murau begeistert die damals aktuellen Piccolos und Großbände von Nick, Sigurd, Falk und Tibor aus dem Lehning Verlag gelesen hatte. Leider waren von den Großbänden keine mehr vorhanden, als er mir von seinen Comics berichtete. Doch ein kleiner Stapel an Piccolos war noch übrig. Diese lagerten in einem uralten Kleiderschrank, der in unserem Kellerstöckel, gleich über der Straße nahe unseres Hauses, stand. Das Stöckel diente als Werkstatt meines Großvaters, und dort ruhten die Piccolos mehr als 15 Jahre, bis mein Vater sie mir zeigte.
Ich erinnere mich noch genau: In der untersten Schublade des Kastens lag dieser kleine Stapel Piccolos. Doch zu der Zeit war ich noch zu jung, um sie richtig zu würdigen. Mein Vater riet mir, die Comics erst später zu lesen, weil er befürchtete, dass ich nicht sorgsam genug damit umgehen würde. Und er sollte recht behalten. Leider hat keines dieser alten Hefte überlebt. Ich weiß nicht, wohin sie verschwunden sind. Vielleicht habe ich einige Falk-Hefte meinem Freund Willi gegeben. Doch ihr Verbleib bleibt ein Rätsel.
Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir bewusst, dass die Piccolos meines Vaters vermutlich die ersten Comics waren, die ich je gesehen habe. Noch vor den Bessy-Heften. Als Kind durfte ich oft meinen Großvater in seiner Werkstatt besuchen. Besonders im Winter war es dort neben dem Holzofen angenehm warm. Ich liebte es, im alten Kleiderschrank zu stöbern und genüsslich in den alten Tibor, Sigurd und Falk-Piccolos zu schmökern.
Jahre später, als ich bereits zur Schule ging, dachte ich immer wieder an diese Comics zurück. Und ich bereute es, nicht auf meinen Vater gehört zu haben. Keines der Hefte war mehr auffindbar. Mein Vater hatte mir erzählt, dass es früher auch Großbände gegeben hatte, die jedoch von meiner Oma im Küchenherd verbrannt wurden. Diese Geschichte ließ mich nicht los. Ich wollte sichergehen, dass nicht doch irgendwo ein paar alte Comics überlebt hatten. Also machte ich mich auf die Suche am Dachboden unseres Hauses. Es mussten doch noch irgendwo versteckte Schätze sein! Wenigstens einige wenige, die dem Feuer entkommen waren.
Stundenlang suchte ich - leider vergeblich. Es gab keine Comics mehr auf dem Dachboden.
Doch die Erinnerungen bleiben. Und vielleicht, irgendwo in einer verstaubten Ecke oder in einem alten Koffer, taucht eines Tages doch noch eines der verschollenen Hefte auf.
Durch meinen Nachbarn Willi wurde ich Comicsammler
Mein Interesse für Comics wurde schon in frühester Kindheit geweckt. Als ich meine ersten Hefte zu Gesicht bekam, konnte ich noch gar nicht lesen, denn ich ging gerade erst in den Kindergarten. Dass ich dennoch schon damals von Comics fasziniert war, verdanke ich meinem damaligen Nachbarn Willi. Er war neun Jahre älter als ich und besaß bereits eine beeindruckende Sammlung an Comics, vor allem Western-Hefte aus dem BASTEI-Verlag. Darunter befanden sich Titel wie BESSY, LASSO, BUFFALO BILL und SILBERPFEIL. Besonders die BESSY-Hefte hatten es mir angetan. Ihre Titelbilder waren unglaublich realistisch und detailreich gezeichnet. Lesen konnte ich noch nicht, aber die Cover allein genügten, um mich in ihren Bann zu ziehen – ohne damals zu wissen, wer diese schönen Bilder illustriert hatte.
Willi besaß viele dieser wunderbaren Western-Comics und kaufte die neuesten Ausgaben entweder vor oder nach der Schule beim örtlichen Kaufmann in Ilz. Diese druckfrischen Hefte durfte ich natürlich nicht einfach selbst in die Hand nehmen. Willi zeigte sie mir nur aus sicherer Entfernung, sodass ich die faszinierenden Zeichnungen, die intensiven Farben und sogar den besonderen Geruch des frischen Papiers bestaunen konnte. Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir an einem warmen Sommertag auf der Eingangsstiege seines alten Bauernhauses saßen und in seinen neuesten Errungenschaften schmökerten.
Meine ersten Comics
Da ich die neuen Hefte nur selten und nur kurz anfassen durfte, begann ich natürlich zu betteln, ob er mir nicht eines schenken würde. Selbst kaufen konnte ich mir keine, denn meine Eltern unterstützten dieses Hobby nicht wirklich – obwohl mein Vater als Jugendlicher selbst Comics vom LEHNING-Verlag besessen hatte. Doch mein Durchhaltevermögen zahlte sich aus: Irgendwann bekam ich meine ersten eigenen Comics geschenkt! Es waren natürlich BESSY-Hefte.
Welches genau mein erstes war, kann ich leider nicht mehr sagen, aber einige dieser frühen Exemplare sind noch heute Teil meiner Sammlung. Sie sind natürlich nicht mehr in perfektem Zustand – die meisten sind bestenfalls in Zustand 3 oder schlechter, einige sogar ohne Umschlag. Manche waren etwas besser erhalten, aber kein einziges war besser als Zustand 2. Dennoch bedeuteten sie mir die Welt und legten den Grundstein für meine lebenslange Leidenschaft für Comics.
Erinnerungsstücke meiner ersten Sammlung
Diese Comics sind immer noch in meinem Besitz, und wie man auf den Fotos sehen kann, tragen sie deutliche Spuren der Zeit. Viele wurden aus Sammelbänden herausgetrennt, und fast alle tragen irgendwo meinen Namen – eine Art persönliche Signatur aus meiner Kindheit. Ein besonders geschätztes Exemplar war lange Zeit BESSY Band 170: Das Duell der stolzen Adler, das zu meinen ältesten Heften zählte. Ebenso der BESSY Doppelband 71, der ebenfalls auf den Fotos zu sehen ist.
Eine besondere Erinnerung verbinde ich mit dem roten Isolierband am Rücken dieses Doppelbandes. Willi hatte es angebracht, um das Heft zu stabilisieren, da es aus einem Sammelband herausgelöst worden war und der Falz dabei beschädigt wurde. Eine kreative Lösung, die sich bis heute gehalten hat. Und natürlich findet sich auch auf der Innenseite meine kindliche Signatur.

Ein kleines Detail, an das ich mich noch gut erinnere: Auf der ersten Seite jedes gelesenen Comics hinterließ ich einen kleinen Strich über dem Titel. So konnte ich immer genau erkennen, welche Hefte ich bereits verschlungen hatte.
Diese ersten Comics waren der Anfang einer langen Sammlergeschichte – und es ist schön, dass viele dieser alten Schätze noch heute Teil meiner Sammlung sind.
Erster Kontakt mit Micky Maus Heften
In meiner Kindheit gab es viele kleine Abenteuer, doch eines davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben – mein erster Kontakt mit Micky Maus Heften. Es war Mitte der 1970er Jahre.
Nur etwa 200 Meter von unserem Haus entfernt, am Rand eines wunderschönen Waldes, stand ein kleines, aber feines Wochenendhaus. Es gehörte Sepp, einem freundlichen und hilfsbereiten Mann. Er war gelernter Schlosser, ursprünglich wie ich ein Herrnbergler, hatte viele Jahre in Wien gearbeitet und sich schließlich ein Häuschen in seiner Heimat gebaut. Als Kind besuchte ich ihn oft, besonders während der Bauphase seines Wochenendhauses. Es war spannend, dort herumzustromern, das Holz zu riechen und die Fortschritte des Baus zu beobachten – für mich ein echtes Abenteuer.
Im Sommer kam sein Sohn Martin aus Wien zu Besuch und verbrachte dort die Ferien. Und Martin hatte etwas ganz Besonderes im Gepäck: eine ganze Schachtel voller Micky Maus Hefte! Diese Comics waren jedoch keine Sammlerstücke – fast alle ohne Umschlag, zerlesen, mit starken Lesewülsten. Es war reine Lese-Ware, nichts für richtige Sammler. Ganz anders als die BESSY-Hefte von meinem Freund Willi, die nur mit äußerster Vorsicht angefasst werden durften. Martins Micky Maus Hefte hingegen durfte ich ohne Bedenken in die Hand nehmen, darin blättern und schmökern.
Lesen konnte ich damals noch nicht, aber die bunten Bilder zogen mich sofort in ihren Bann. Zum ersten Mal begegnete ich Onkel Dagobert, Donald Duck und seinen drei Neffen Tick, Trick und Track. Das gesamte Disney-Universum war für mich Neuland – eine neue, aufregende Welt voller Abenteuer, die sich mir ohne Worte, allein durch die Bilder erschloss.
Welche Jahrgänge die Hefte hatten, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Ohne Cover und ohne Jahresangabe war das schwer zu bestimmen, aber ich schätze, sie stammten aus den 1960er und frühen 1970er Jahren. Doch das spielte damals keine Rolle. Für mich zählten nur die Geschichten, die Figuren und das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.
Rückblickend war dieser Moment wohl einer der ersten, in denen meine Begeisterung für Comics geweckt wurde. Eine Leidenschaft, die mich noch lange begleiten sollte. Und alles begann mit einer zerfledderten Schachtel voller Micky Maus Hefte an einem sonnigen Waldrand.
Beim Altwarenhändler in Fürstenfeld – Eine Reise in die Vergangenheit
In den 1980er Jahren war die Südtiroler Straße 29 in Fürstenfeld noch eine besondere Adresse für Liebhaber alter Schätze. Dort, gegenüber des heutigen Standorts einer Tierarztpraxis, befand sich ein kleines, aber faszinierendes Altwarengeschäft. Geführt von einem Händler, der scheinbar alles hatte, was das Herz begehrte – von antiken Gegenständen über gebrauchte Alltagswaren bis hin zu unerwarteten Fundstücken.
Mein Vater nahm mich an einem Wintertag Anfang der 1980er Jahre erstmals dorthin mit. Unser Ziel waren keine Comics oder Bücher, sondern ein Paar alte, aber noch brauchbare Schlittschuhe. In der Garage des Händlers standen unzählige solcher Dinge – ein wahres Sammelsurium an Erinnerungen vergangener Jahrzehnte. Doch es war nicht die Kälte oder der Geruch nach alten Dingen, die mich an diesem Tag nachhaltig beeindruckten, sondern etwas ganz anderes: ein kleines, unscheinbares Regal gleich rechts neben der Kassa.
Dort stapelten sich Comics, so viele, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam! Neben den bekannten BESSY-Heften lagen unzählige andere Titel, die mir damals noch völlig fremd waren. Ich kniete mich nieder und begann zu blättern, als hätte ich einen verborgenen Schatz entdeckt. Doch leider war die Zeit knapp, mein Vater drängte bereits zur Heimfahrt. Ob ich an diesem Tag ein Heft mitnehmen durfte, weiß ich nicht mehr genau – doch sicher ist, dass mich dieser Fund nicht mehr losließ.
In den folgenden Jahren kehrten wir immer wieder zu dem Altwarenhändler zurück, wenn auch nicht oft. Doch wann immer sich die Gelegenheit bot, bat ich meine Eltern, dort einen Halt einzulegen. Für ein oder zwei Schilling pro Heft konnte ich nach Herzenslust in den Comics stöbern, ohne dass Zustandsbewertungen oder Sammlerpreise eine Rolle spielten. Es zählte nur der Inhalt, das Abenteuer, das sich hinter den bunten Covern verbarg.

Bei einem meiner letzten Besuche entdeckte ich keine Comics mehr. Stattdessen wanderten einige Perry-Rhodan-Hefte und ein paar Gruselromane in meine Sammlung. Kurz darauf ging der Händler in den wohlverdienten Ruhestand, und das Geschäft schloss seine Pforten – ein kleines Stück Fürstenfelder Geschichte verschwand damit.

Doch die Erinnerungen bleiben. Jedes Mal, wenn ich heute in meiner Comicsammlung schmökere, denke ich an die Entdeckungen von damals zurück: an den Geruch von alten Heften, das Rascheln der Seiten, das aufregende Gefühl, einen Schatz gefunden zu haben. Der Altwarenhändler von Fürstenfeld mag Geschichte sein, doch für mich lebt er in diesen Erinnerungen weiter.
Nostalgische Erinnerungen: Wundertüten, Comics und die Wartezeit nach der Schule
Von 1980 bis 1984 besuchte ich die Hauptschule in Ilz. Der Schulweg selbst war nicht das Problem, aber nach dem Unterricht musste ich oft eine ganze Stunde auf den Bus warten. Eine lange Zeit für einen jungen Burschen. Doch ich wusste mir zu helfen: Ich ging zum Kaufhaus Baronigg am Hauptplatz in Ilz.
Dort verbrachte ich meine Wartezeit nicht nur mit Stöbern, sondern auch mit kleinen Einkäufen. Meistens kaufte ich mir Süßigkeiten und als Durstlöscher ein "Dreh und Drink". Doch was mich am meisten faszinierte, waren die Wundertüten. Diese kleinen, unscheinbaren Tüten hatten es in sich – denn manchmal enthielten sie eine große Überraschung: Comics von SIGURD und NICK aus dem Melzer Verlag von 1976!
Die Freude an alten Comics
Als ich das erste Mal einen dieser Comics in einer Wundertüte entdeckte, war ich begeistert. Ich kannte SIGURD und NICK bereits aus meiner frühen Kindheit durch meinen Vater, und nun konnte ich endlich eigene Hefte besitzen. Besonders faszinierte mich, dass diese Comics eigentlich für 10 Schilling ausgezeichnet waren, ich die Wundertüte aber nur für 5 Schilling kaufte – ein gefühlter Gewinn von 100 %!
Wenn ich das Geld hatte, kaufte ich mir also so oft wie möglich eine dieser Wundertüten, in der Hoffnung, dass wieder ein Comic darin war. Mit der Zeit entwickelte ich ein Gespür dafür, welche Wundertüten besonders vielversprechend waren. Manchmal hatte ich Glück, manchmal aber auch Pech und bekam doppelte Hefte. Doch auch dafür fand sich eine Lösung: Mit ein paar Schulfreunden, darunter mein Nachbar Norbert, tauschte ich die doppelt vorhandenen Comics.
Meine ersten SIGURD- und NICK-Hefte
Zu meinen ersten eigenen Comics gehörten NICK Band 3 "Die Höhle des Grauens" und SIGURD Band 3 "Die Verfolgung". Diese Abenteuer verschlang ich regelrecht! Was mir besonders gefiel, war der geringe Textanteil in den Sprechblasen, wodurch die Geschichten trotzdem spannend und abenteuerlich blieben. Besonders die Weltraum- und Ritterepisoden von Hansrudi Wäscher hatten es mir angetan.
Was mich ebenfalls beeindruckte: Die Geschichten erstreckten sich über viele Hefte hinweg, und am Anfang jedes neuen Bandes gab es eine ausführliche Zusammenfassung des bisherigen Geschehens. Ich markierte mir wichtige Stellen mit Filzstift, um beim Weiterlesen schnell wieder einsteigen zu können. Außerdem setzte ich immer einen kleinen schiefen Strich auf die erste Seite, wenn ich ein Heft fertig gelesen hatte.
Am Ende jedes Heftes wurden die Leser mit spannenden Fragen für die nächste Ausgabe neugierig gemacht: Zum Beispiel:
Wird Sigurd die Räuber fassen?
Kommt Bodo noch frei?
Ist Casim verloren?
Diese Cliffhanger machten die Comics noch fesselnder. Ganz anders als bei BESSY, wo jede Ausgabe eine abgeschlossene Geschichte enthielt.
Kennst du diese Comics auch? Hast du selbst Erinnerungen an Wundertüten oder deine ersten Comics?
Comic-Lesen beim Nachbarn Norbert
Obwohl ich auf dem Land nicht viele Nachbarn hatte, war Willi nicht der Einzige, der Comics las. Da war auch noch Norbert. Er war nur ein halbes Jahr jünger als ich und ebenso begeistert von den bunten Heften. Allerdings stand bei ihm das Lesen im Vordergrund, nicht das Sammeln.
Norbert bekam in seiner Kindheit viele Comics von Verwandten aus der Schweiz. Jedes Jahr, wenn diese die schöne Oststeiermark besuchten, brachten sie ihm Nachschub. Darunter waren oft tolle Exemplare, die bei uns nicht so gängig waren. Viele dieser Comics kannten wir vorher überhaupt nicht, wie die KOBRA-Hefte oder die Superhelden von Williams Verlag. Auch einige SUPERMAN- und BATMAN-Superbände hatte Norbert in seiner Sammlung.


Superhelden-Comics waren allerdings nicht ganz mein Ding. Mir war das oft zu viel Text, und die Sprechblasen gingen manchmal ineinander über, sodass ich nicht wusste, in welcher Reihenfolge ich sie lesen sollte. Norbert hingegen war da viel schneller. Er meinte immer: "Du musst ja nicht alles lesen, manche Bilder sagen eh schon, was gemeint ist."
Und so saßen wir oft stundenlang auf dem Teppichboden in seinem Zimmer und vertieften uns in die Comics. Norbert las konzentriert, während ich hauptsächlich schmökerte und die Bilder genoss.
Tauschen war mit Norbert allerdings nicht leicht. Obwohl er kein Sammler war, wollte er sich kaum von seinen Heften trennen. Wenn er doch einmal tauschte, dann nur, wenn er daraus einen Vorteil zog. Deshalb kam es nur selten zu einem echten Comic-Tausch zwischen uns.
Trotzdem war es eine tolle Zeit – eine Zeit voller Abenteuer in gezeichneten Welten, die wir gemeinsam entdeckten.